horror vacui

Die Diskussion verlief hitzig, die Stimmung war gereizt: "Wenn es irgendwo ein Vakuum geben kann, dann nur in Torricellis Kopf.", urteilte der französische Philosoph René Descartes harsch. Vor wenigen Jahren erst hatte Galileo Galilei im Streit mit der Kirche den Kürzeren ziehen müssen. Religion und Philosophie waren keine Freunde seiner "neuen Wissenschaft", die mit Experimenten zu überzeugen versuchte.
Doch Torricellis Argumente waren schlagkräftig: Mit Glasröhren und Quecksilber hatte er nachgewiesen, dass der "Horror vacui" ins Land der Legende gehört. Diese "Furcht vor dem Nichts" eben, die seit Jahrhunderten dafür stand, dass die Natur eine Abscheu gegen die Leere verspüre und daher ein Vakuum nicht zulässt.
Der Streit war nicht neu. Knapp zweitausend Jahre zuvor gerieten sich schon die beiden Griechen Epikur und Aristoteles in die Wolle. Epikur war ein Verfechter der Atomtheorie und so argumentierte er: Wenn es kleinste Teilchen gibt, so kann sich dazwischen nur eines befinden: Nichts. Aristoteles mochte diesen Gedanken nicht: Denn wenn es das Nichts gibt, was könnte einen Gegenstand dann dazu verleiten, sich durch dieses Nichts zu bewegen? Nach der Auffassung des Aristoteles sorgt die Natur dafür, dass jeder Ort ausgefüllt ist mit Materie und Stofflichem - eben Nicht-Nichts. Dies sei für die Bewegung unerlässlich. Aristoteles irrte. So etwas passiert den besten Philosophen. Erklärt aber den Ärger, den 2000 Jahre später Descartes und Torricelli hatten. Denn auch wenn eine Idee falsch ist, heißt dies nicht, dass sie keinen Einfluss haben kann. Und Aristoteles Einfluss war groß - sehr groß.

Quelle: DESY 2000 - Licht der Zukunft - Webthema der Woche: Vakuum
http://www.desy.de/expo2000/deutsch/dhtmlbrowser/webthemen/04_vakuum/furchtvordemnichts_druck.htm


Evangelista Torricelli

Torricelli war der Erste, dem es gelang, ein Vakuum für längere Zeit aufrechtzuerhalten.

Er stellte die Behauptung auf, dass – etwa beim Saugen mit einem Strohhalm – die Flüssigkeit nicht heraufgesogen (infolge des vermuteten horror vacui), sondern von der Last der Luftsäule hinaufgedrückt wird.

Seine wichtigste Entdeckung betraf das Funktionsprinzip des Quecksilberbarometers. Nach Torricelli ist eine – veraltete – physikalische Maßeinheit benannt: das Torr.

Blaise Pascal

Torricellis Vermutung wurde, kurz darauf, im November 1647 durch das Experiment Leere in der Leere von Blaise Pascal endgültig bestätigt werden.

Otto von Guericke

Populär wurde das Vakuum durch Otto von Guericke, den Erfinder der Luftpumpe. Er spannte im Jahre 1657 Pferde an zwei Metallhalbkugeln (siehe Magdeburger Halbkugeln), aus denen er vorher die Luft herausgesaugt hatte. Der beobachtete Effekt ist allerdings keine Eigenschaft des Vakuums, sondern vielmehr durch den Druck der umgebenden Luft bedingt.



Vakuum-DIN